Ab nach unten – eine Führung durch den Kanal Dortmund

Kanal Dortmund

Ich freu mich immer wieder, wenn ich mal an außergewöhnliche Orte kommen kann. Schon lange wollte ich mal das städtische Kanalsystem besichtigen.

Als ich damals bei der Stadt angefangen habe zu arbeiten, war meine erste Station das Tiefbauamt. Und seitdem wollte ich immer mal mit in den Kanal. Aber irgendwie hat es nie geklappt. Jetzt, über 20 Jahre später hat es dann endlich geklappt (ja, ich fühle mich grad sehr alt…).
Für Dich ist es aber gut, dass ich so lange gebraucht habe, denn so kann ich Dich jetzt mitnehmen. Völlig clean und geruchslos. 😊

Ich hab mich voll gefreut, dass das jetzt endlich geklappt hat mit meinem Besuch im Kanal! Und wie das bei mir oft so ist, will ich immer gerne spannende Sachen machen und wenn es soweit ist, hab ich dann doch ein wenig die Hosen voll… Wie das wohl so sein wird? Allein schon der Abstieg, durch dieses schmale Loch des Schachteinstiegs zu klettern, machte mir ein wenig Sorgen. So ganz schmal bin ich ja nun doch nicht… Vor Ratten hatte ich keine Angst. Im Gegenteil, ich find sie eigentlich ganz niedlich. Aber davor, dass es mir da unten zu eng werden konnte, hatte ich dann doch etwas Schiss…
Aber zu spät! Ich hatte zugesagt und kneifen gilt ja nun nicht!

Vor der Praxis kommt die Theorie

Also war ich zusammen mit 8 weiteren interessierten Kolleginnen und Kollegen pünktlich morgens um 8 Uhr auf dem Betriebshof an der Nortkirchenstraße.
Wir haben eine kurze Übersicht über den Kanalbetrieb bekommen und bekamen dann auch die Sicherheitsausstattung vorgeführt, die wir im Kanal tragen müssen. Neben den hygienischen Aspekten gibt es auch einige Ausstattungsteile, die für die Sicherheit der Kollegen zuständig sind. Das ist unter anderem ein Auffanggurt, das dem ähnelt, wenn man klettern geht. Außerdem hat immer einer der Truppe, die in den Kanal einsteigt, ein Messgerät dabei, das vor giftigen Stoffen warnt. Gefährlich sind da im Kanal möglicher Sauerstoffmangel, Methan, Kohlenstoffdioxid und Schwefelwasserstoff.

Kanal Dortmund

So, wir wußten nun theoretisch, was uns erwartet und schon ging es los. In zwei Bullis sind wir zum ausgewählten Kanal in Dortmund-Loh gefahren.

Vorbereitungen für den Kanalbesuch

Vor Ort angekommen waren schon drei Kollegen dabei, den Kanal für uns zum Einstieg vorzubereiten.
Die Besichtigung im Kanal war so vorgesehen, dass wir jeweils in Dreiergruppen mit fachlicher Begleitung in den Kanal einsteigen. Ich hab mich mal direkt für die erste Gruppe gemeldet und habe dann bei hochsommerlichen Temperaturen den Einweganzug über die ohnehin schon dick gewählten Klamotten gezogen. Puh!

Kanal Dortmund

Meine Güte, wie lange das dauert, bis man als Laie mal alles angepellt hat und die Ausrüstung ordentlich sitzt!
Schöner wird man damit auch nicht. Aber egal, es gab viel zu lachen.

Kanal Dortmund

Auf geht`s! Ab in den Kanal!

Aber dann war es doch geschafft und ich machte mich mal auf meinen Weg nach unten. Der Auffanggurt, den ich anhatte, wurde ich mit dem Höhensicherungsgerät an dem Dreibaum befestigt und dann bin ich mal die Leiter runtergeklettert.

Kanal Dortmund

Und zack, war ich unten und stand, nunja, mitten in der Brühe… Die Kollegen vom Kanalbetrieb empfingen mich schon unten und wir warten noch kurz, bis die anderen beiden Teilnehmer meiner Gruppe unten angekommen waren.

Wie erwartet war es echt dunkel da unten. Die Stirnlampe war ganz hilfreich, aber für gescheite Fotos reichte das Licht natürlich nicht. Ich bitte daher, die nicht so optimalen Bilder zu entschuldigen! 🙂

Es war schon etwas riskant, überhaupt die Kamera mitzunehmen. Da es unten im Kanal echt glitschig ist, hätte ein Ausrutschen mich wohl die Funktion meiner Kamera gekostet. Also: Konzentration!

Die Kollegen waren so nett und haben für uns einen Kanal mit wirklich großem Durchmesser ausgewählt. Wir mussten also nicht auf Knien durch den Kanal kriechen.

Kanal Dortmund

Wir sind dann ein paar Schritte gegangen. Nicht wirklich weit, aber einen Eindruck haben wir auf jeden Fall bekommen, wie es da so aussieht im Kanal.
Genauer genommen, wie es sich da so anfühlt. Der Untergrund ist ziemlich komisch. Eigentlich genauso, wie man sich das vorstellt, eine Mischung aus Wasser, halb aufgelöstem Toilettenpapier und naja, was wir halt so ausscheiden.

Wir gingen langsam vorwärts. Keiner von uns hatte Lust, sich lang zu machen. Ich war dann doch froh, dass ich soviel Zeugs anziehen musste.

Beim Laufen hält man sich an Metallseilen fest. Ab und an muss man dann mal umgreifen, weil beim letzten Hochwasser im Kanal ein bisschen was hängen geblieben ist. Denn: Die Kanäle sind bei Regen Ruck Zuck auch mal ganz schön voll. Eine solche Begehung ist daher nur bei trockenem Wetter möglich.

Kanal Dortmund

Übrigens sehen wir dort nicht nur Toilettenpapier. Q-Tipps, Damen-Hygieneartikel und ähnliches schwimmt da an unseren Füssen vorbei. Die Kollegen erklären uns, dass es grob fahrlässig ist, Q-Tips ins Klo zu werfen. Gerade die Wattestäbchen setzen sich in den schmalen Abflüssen vom Haus zum Kanal gerne mal quer und so verstopft dann schon mal ein Rohr, was dann mal schnell teuer wird. Und auch diese schönen Feuchttücher, die heute so gerne genutzt werden sind problematisch. Sie lösen sich nämlich nicht auf und sorgen so ebenfalls gerne für Verstopfungen.

Kanal Dortmund

Übrigens hat meine Kollegin – im weißen Anzug – nicht ihren Turnbeutel mitgenommen, sondern das ist ein weiteres Sicherheits-Equipment: Falls das Messgerät plötzlich Alarm gibt, muss man sich eine Maske über den Kopf ziehen und die in dem Behälter befindlichen Atemluftflasche nutzen, um heile wieder nach oben zu kommen. Ganz schön viel Technik, oder?

Ratten habe ich nicht gesehen. Das fand ich fast schade. Aber die verziehen sich wohl schnell, wenn Menschen im Anmarsch sind. Statistisch gesehen, gibt es in den Kanalsystemen der Städte 2 Ratten pro Mensch. Ganz schön viele! Aber das ist auch kein Wunder. Immerhin gibt es immer noch sehr viele Menschen, die Essen im Klo entsorgen und den Ratten damit ein schönes All-you-can-eat-Menü bescheren, wie einer meiner Kollegen zusammenfasste. Das ist ja schon sehr attraktiv für die Tiere, wenn das Essen wie im Sushi-Restaurant an Dir vorbeigefahren kommt…

Dann ging es auch schon wieder hoch.

Kanal Dortmund

Wir wurden fröhlich von der nächsten Truppe begrüßt.

Kanal Dortmund

Ich war dann froh, dass ich die warmen Sachen ausziehen konnte. Und besonders cool: Wir konnten sogar die Hände waschen! Die Wagen haben einen kleinen Wassertank und ein Waschbecken an Board. Super!

Kanal Dortmund

Und schon war mein Besuch im Kanal wieder Geschichte!

Die Stadtentwässerung Dortmund, der Kanalbetrieb

Aber jetzt gibt`s noch ein paar Infos zur Stadtentwässerung Dortmund, also unserem Kanalbetrieb. Er gehörte lange zum Tiefbauamt und ist seit kurzem ein eigenes Amt. Ich war echt beeindruckt, wie umfangreich die Aufgaben des Betriebs so sind.

Kanal Dortmund

Hier ein paar Zahlen & Daten:

Der Kanalbetrieb ist für eine Fläche von 280,347 Quadratmeter und 580.000 Einwohner zuständig. Das städtische Kanalsystem besteht aus 1.900 km Sammlern und 45.000 Schachtbauwerke. Das Oberflächenwasser auf unseren Straßen wird über rund 50.000 sogenannte Sinkkästen in die Kanalisation abgeleitet. Dazu gibt es 75 Pumpwerke und 300.000 Anschlüsse.
Im Fall eines Hochwassers, wird das Wasser von 33 Hektar sogenannten Retentionsflächen aufgefangen, also Flächen, die als Überflutungsfläche angelegt wurden.

Der Kanalbetrieb hat rund 100 Mitarbeiter.

Und hier ein Überblick über die Leistungen des Kanalbetriebs im Jahr:

  • 500 km Reinigung von Kanälen mit mehr als 120 cm Durchmesser
  • 50 km Reinigung von Kanälen mit weniger als 120 cm Durchmesser
  • 21.000 Stück Sinkkastenreinigung
  • 250 km TV-Inspektion, also Kontrolle der Kanäle per Kamera
  • 10.000 m3 Grubenleerung
  • 11.000 Stk Schachtkontrolle
  • 40 ha Grünpflege
  • 20 km Gewässerpflege

Weitere Infos findet Ihr auf der Homepage der Stadt Dortmund.

Ich finde, was wir uns auch mal bewußt machen müssen, ist, wie glücklich wir sein können, dass es dieses Stadtentwässerungssystem hier gibt. All das, worin ich da mit den Gummistiefeln rumgewatet bin, müssen wir in der Regel nie sehen und riechen. Unsere Hinterlassenschaften werden unmittelbar unter Tage geleitet und wir sehen sie im besten Falle nie wieder. Eine tolle Leistung der Techniker und Ingenieure!

Das war ein spannender Einblick für mich in eine Welt, die mir bis jetzt eher fremd war. Insofern bedanke ich mich ganz herzlich bei Matthias Klafki, Andre Hain, Thomas Friedrichs, Jürgen Hirschberg, Stefan Michalski und Peter Heine von der Stadtentwässerung für die herzliche Gastfreundschaft!

Ach so, noch eine Info für alle, die sich Sorgen um unserer Steuergelder machen: Ich habe den „Besuch“ im Kanal übrigens außerhalb meiner Dienstzeit gemacht. 🙂

1 Kommentare

  1. Das ist wirklich mal ein sehr interessanter Artikel! Will mir gar nicht vorstellen da mal bei Starkem Regen drin zu sein, dass muss ja abgehn wie bei Ebbe und Flut… aber so einen Trip muss ich auf jeden Fall auch mal machen:D

Kommentare sind geschlossen.